Die Geschichte des Kreditwesens
Die allgemeine Bedeutung des Wortes Kredit bezieht sich auf den Glauben oder das Vertrauen in die Bereitschaft eines Gegenübers, verbindlich getroffene Absprachen auch einzuhalten und diese Verbindlichkeit fristgerecht zu begleichen. Die Verfügung über Geld oder Sachgüter fällt ebenso darunter, wie der Aufschub einer Zahlung (Stundung) oder ein allgemeines Guthaben im Gegensatz zum Debet auf der Sollseite eines Kontos. Wir geben einen kleinen Überblick über die Entstehung des Kreditwesens, das sich bereits lange vor der Entstehung der ersten Banken entwickelte und auch heute noch von beständigen Veränderungen geprägt ist.
Kredite mit und ohne Zinsen
Zu Zeiten des Mittelalters war der Handel mit Leihgaben unter der Berechnung eines Zinses nicht mit den Werten christlicher Moral vereinbar und auch in anderen Religionen herrschte den Überlieferungen nach ein Verbot, Zinsen für Kredite zu nehmen. Der Erlass erfolgte per päpstlichem Konzil und konnte nur unter solchen Umständen umgangen werden, wenn etwa das Kapital als Einlage in einem Geschäft vom Geldgeber eingesetzt wurde, beim Geldwechsel oder in Form einer Strafzahlung, wenn der eigentlich zinslose Kredit nicht fristgerecht zurückgezahlt wurde. Auch war es durchaus üblich, dieses Zinsverbot durch den Aufschlag als Kosten für einen Kredit zu umgehen.
Erste Banken entwickelten sich aus dem Geflecht von Großhändlern, Kommissionären und Spediteuren in der Handelsmetropole von Florenz und wenige, wohlhabende Familien hielten die Monopolstellung der päpstlichen Finanzen. Den Juden kam in dieser Zeit eine privilegierte Stellung zu, denn obgleich der Handel mit verzinsten Krediten auch bei ihnen innerhalb der Glaubensgemeinschaft verboten war, galt das nicht für Geschäfte mit Mitgliedern anderer Religionen. So stellten sie vor allem den kriegerischen Fürsten Geld für deren Höfe und Kriege zur Verfügung. Die Tilgung erfolgte im Gegenzug meist durch die Einnahme von Steuern, Kriegsbeute oder sogenannte Tribute der besiegten Gegner aus solchen Auseinandersetzungen.
Kredite für Handlungsreisende
Im Tausch mit Waren war der Zins jedoch auch im Lehenswesen aufzufinden, bei dem die Herren den Bauern das Saatgut für die Felder zur Verfügung stellten, und dafür an der reichhaltigeren Ernte beteiligt wurden und das Land selbst als Sicherheit diente. Auch gab es Kredite zur Versicherung, etwa gegen Überfälle auf die Reisen der Handelsleute, die mit einem Kreditbrief ihre Zahlungsfähigkeit am jeweiligen Ort begründen konnten, ohne viel Geld mitnehmen zu müssen. Zur Gewährleistung solcher Versicherungen waren die Banker untereinander sehr gut vernetzt und Vorreiter der heutigen Korrespondenzbanken.
Kredite für Handwerker und landwirtschaftliche Betriebe
Das Zinsverbot für Christen wurde Ende des 17. Jahrhunderts abgeschafft und neben den bereits entstandenen Privatbanken wurden mit Beginn des 19. Jahrhunderts vermehrt Kapitalgesellschaften gegründet, um die zunehmende Nachfrage von Krediten seitens der Wirtschaft zu decken. Mit der industriellen Revolution trugen neben dem Handel auch vermehrt handwerkliche Betriebe ihre Nachfrage nach Hilfen zur Finanzierung ihrer Produktionen, die durch die Gründung von Spar- und Konsumgenossenschaften gewährt wurden. Die daraus entstandenen Volksbanken entwickelten sich dabei ähnlich den landwirtschaftlich orientierten Instituten der heutigen Raiffeisenbanken.
Private Konsumentenkredite
Wiederaufbau und Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre belebten den Markt für private Konsumkredite zur Finanzierung von Kühlschränken, Fernsehern und Autos. Dabei galt als Sicherung zum einen der Gehaltsempfang und zum anderen die Sicherheitsübereignung durch den jeweiligen Gegenstand selbst, wie es auch heute etwa bei Autokauf oder der Finanzierung einer Immobilie noch üblich ist. Der Dispositionskredit, also die begrenzte Möglichkeit zur Überziehung eines verfügbaren Finanzrahmens, wurde ab 1968 mit der Einführung des Girokontos begünstigt, das es den Banken erlaubte, die Geldzuflüsse und Abflüsse der Kunden und potentiellen Kreditnehmer genau nachzuvollziehen.
Heutzutage treten vermehrt Direktbanken als Kreditgeber auf, die keine Filialen im herkömmlichen Sinne mehr betreiben, sondern über ein Netz aus Vertretern unabhängiger Finanzvertriebe oder im direkten Kundenkontakt über das Internet die Geschäfte abwickeln.