Über Kredite spricht man nicht
Finanzielle Angelegenheit galten in der Öffentlichkeit lange Zeit als Tabuthema. “Über Geld spricht man nicht”, gemäß diesem Motto wurden Geldangelegenheiten bislang geschickt aus Gesprächen mit Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen ausgeblendet. Nun scheint sich das Bild jedoch ein wenig gewandelt zu haben: laut einer Umfrage reden viele Deutsche heute inzwischen freizügig mit Freunden und Bekannten über Geldangelegenheiten. Weitaus weniger offen wird hingegen über Kredite gesprochen.
Wenn es ums Geld geht, sprechen die meisten Bundesbürger inzwischen relativ offen und nehmen auch in Bezug auf die eigene finanzielle Lage kein Blatt vor den Mund. So reden rund 53 Prozent der Befragten einer aktuellen Umfrage innerhalb ihrer Familie offen über die eigene finanzielle Situation. Im Freundeskreis und unter Arbeitskollegen scheint die Mehrheit zudem relativ weit im Bilde darüber zu sein, was jeder Einzelne verdient. Ganz anders verhält es sich hingegen in Hinblick auf das Thema Kredit – hierüber möchte die Mehrheit der Befragten nicht einmal innerhalb der eigenen Familie sprechen.
So haben rund 73 Prozent der Deutschen noch nie mit ihren Freunden, Verwandten oder Arbeitskollegen über die Aufnahme eines Kredits oder Darlehens gesprochen und möchten dieses Thema auch in Zukunft nicht anschneiden. Grund hierfür ist laut Experten, dass sich viele Kreditnehmer noch immer dafür schämen, auf “fremdes Geld” angewiesen zu sein. Dabei ist es heutzutage keinesfalls ungewöhnlich, ein Darlehen zu beantragen oder eine Schuldenberatung in Anspruch zu nehmen.
Kredite sollten kein Tabuthema sein
Heutzutage sind Kredite eine anerkannte und gute Möglichkeit zur Finanzierung größerer Anschaffungen, die von einem Großteil der Bundesbürger genutzt werden. So kann sich zum Beispiel kaum jemand ein Eigenheim bauen oder einen neuen Wagen kaufen, ohne dafür einen Kredit aufnehmen zu müssen. Gegenwärtig nutzen rund 38 Prozent der deutschen Verbraucher Kredite.
Als Gesprächsthema ist den meisten von ihnen das eigene Darlehen hingegen noch immer unangenehm. Dabei wäre es nach Ansicht von Experten sogar vorteilhaft, mit Verwandten und Bekannten über Kredite zu sprechen. Zum einen kann es für die Psyche entlastend sein, die eigenen finanzielle Sorgen und Nöte mit Familienmitgliedern und engen Freunden zu teilen. Auf der anderen Seite könnte man sich gegenseitig Tipps geben und Weiterempfehlungen von Menschen bekommen, denen man vielleicht mehr vertraut als so manchem Bankberater. Für viele wäre der Austausch mit Freunden und Bekannten als Orientierung im Dschungel des Finanz- und Kreditwesens also in vielerlei Hinsicht durchaus hilfreich.
Finanzbildung gezielt fördern
Weiterhin bemängeln viele Finanzexperten die schlechte finanzielle Allgemeinbildung vieler Bundesbürger. So werde der Umgang mit Geld in der Bundesrepublik noch immer nicht früh genug gefördert. Bereits in der Schule sollte der richtige Umgang mit Finanzen intensiver geschult werden. Nur durch gezielte Aufklärung können Tabus abgebaut werden.